Kartierung der Woche: Abiturienten

Freitag, 23 Juli 2010 05:04 by Christoph

Das Statistische Bundesamt hat mal wieder die Zahlen über Schulabgänger veröffentlicht. Die aktuellsten betreffen das Schuljahr 2007/2008. Das könnte natürlich auch neuer sein, aber die Mühlen der Bürokratie arbeiten langsam. LANGSAM.

Seis drum. In jenem Jahr haben fast 230.000 Schüler ihre Pflicht mit dem Abitur (allgemeine Hochschulreife) abgeschlossen. Wie das linke Cartogram (flächentreu) zeigt, die meisten davon in Nordrhein-Westfahlen. Berlin ist erwartungsgemäß aufgrund seiner hohen Bevölkerung auch ziemlich groß vertreten. Im Gegensatz zu den Statistiken über Erwachsene ist Brandenburg hier auch nicht völlig aufgesogen, sondern kann sich noch mit eigenen Abiturienten behaupten. Die Landflucht in die Hauptstadt setzt demnach offenbar erst ab einem bestimmten Alter ein.

Abiturienten Schuljahr 07/98

Das rechte Cartogram ist eine neue Form. Hier habe ich die Zahl der Abiturienten mit der Zahl der Einwohner normalisiert. Mit der Zahl aller Einwohner - nicht der der Schulabgänger. Ein Bundesland mit ausbleibendem Nachwuchs hat einfach Pech gehabt und wird entsprechend verzerrt. Hier fällt besonders auf, dass Mecklenburg-Vorpommern an Größe zulegt. Das bedeutet, dass MVP im Verhältnis zu seinen Einwohnern den größten Output an Abiturbesitzern vorzuweisen hat. Die Erklärung dieses Phänomens sei dem geneigten Leser überlassen. Mir fällt dazu spontan nichts Plausibles ein.

Kartierung der Woche: Arbeitslosenzahlen 06/2010

Mittwoch, 7 Juli 2010 13:49 by Christoph

Diese Woche gibts wieder ein Cartogram mit Landkreisen: die aktuellen Arbeitslosenzahlen von der Federal Employment Agency (hach das klingt so modern, so international). Zur Diskussion des Inhalts fällt mir jetzt nicht allzuviel ein. Ideal wäre natürlich ein Punkt - rein geometrisch ein Objekt mit Null-Ausdehnung. Das hieße Vollbeschäftigung. Dem ist leider nicht so, also hier die transformierte Karte.

Cartogram Arbeitslose Juni 2010

Auffällig ist, dass alle Großstädte Hotspots sind. Das ist logisch, weil hier die meisten Menschen leben. Also auch die Vielzahl der Arbeitslosen. Das führt zu einem enormen Berlin-Ausschlag im Osten. Im Westen beult sich das Ruhrgebiet ziemlich stark aus. Ähnlich wie in Sachsen gibt es hier aber kein offensichtliches Zentrum, sondern die gesamte Region ist mit durchgehend hohen Zahlen gekennzeichnet.

Bei der ganzen Kartogrammerei ist mir übrigens aufgefallen, dass diese Art der Darstellung eigentlich ein didaktisch sinnvoller Ersatz zu den bekannten Tortendiagrammen ist. Dort sieht man die Statistik in der Größe der Tortenstücke. Mit der Farbe des Tortenstückes kann man in der Legende herausfinden, um welchen Eintrag es sich konkret handelt. Das ist beim Cartogram nicht notwendig. Da die Transformation topologietreu ist (also Schlüsselmerkmale nicht unkenntlich macht), kann der Leser mit geeignetem Vorwissen (!) die Statistik direkt ablesen, ohne eine Legende bemühen zu müssen. Mithin dürfte die Darstellung von 400 Werten in einem Tortendiagram ziemlich unübersichtlich sein.

Kartierung der Woche: Mitglieder der Linken

Donnerstag, 24 Juni 2010 05:39 by Christoph

Letzte Woche wurde es politisch. Das werde ich heute nochmal fortsetzen. Da ich Gegenüberstellungen mag, diesmal mit dem Gegensatz der Unionsparteien. Doch was ist eigentlich der Gegenpart zur CDU/CSU? Die SPD fällt einem zuerst ein. Bei genauerem Hinsehen, finden sich allerdings fast nur Gemeinsamkeiten. Richtig gegensätzliche Positionen sind kaum auszumachen. Hmm. Dann muss eben eine Abspaltung der SPD herhalten: die Linken.

Damit fix zum Cartogram: Hier sieht man schön die Gegensätze in der Verteilung. Die CDU wurde ja übermäßig stark durch die weiter westlich gelegenen Bundesländer repräsentiert. Bei den Linken ist es nun fast genau andersrum. Obwohl kein Bundesland so stark geschrumpft (id est unterrepräsentiert) ist wie bei der CDU. Die Partei ist aber auch noch vergleichsweise jung - und so auch ihre Hochburgen.

Mitglieder-Cartogram der Linken

Dass Bayern gerademal halb so groß ist wie Berlin, ist allerdings 'ne Ansage!

Kartierung der Woche: Mitglieder der Unionsparteien

Mittwoch, 16 Juni 2010 13:49 by Christoph

Die heutige Kartierung ist schwarz-weiß. Nicht etwa, weil mir die Farbe ausgegangen ist, sondern weil es dabei um die Mitgliederzahlen einer Partei geht. Genau genommen um zwei Parteien: die CDU/ CSU. Und deren bevorzugte Darstellung ist nunmal schwarz. (Jaja, seit einigen Jahren wird auch ein herzlich warmes, modernes Wohlfühlorange benutzt. Ein Hoch auf die Imageberater!) Aber die Farbe der Union ist und bleibt trotz aller Spins schwarz - das meine ich jetzt wirklich nicht doppeldeutig sondern rein physikalisch vom Farbspektrum.

Spektrum. Das bringt mich auch gleich zur kurzen Diskussion der Grafik. Die westlichen Bundesländer sind deutlich überrepräsentiert. Im Vergleich dazu sind die ostdeutschen Länder stark geschrumpft. Die Mitgliederzahlen sind hier vergleichsweise gering. Das ist insofern überraschend, als dass die Wiedereinigung bereits 20 Jahre her ist, das Ungleichgewicht in der Parteienmitgliedschaft aber immernoch gravierend ist. Offenbar braucht eine Partei mehr als 20 Jahre, um die Menschen überall gleichermaßen zu erreichen. Wobei die kostenpflichtige Mitgliedschaft eine höhere Motivation darstellt als blosse Stimmabgabe bei einer Wahl. Echte Überzeugung breitet sich offenbar langsamer aus, als Wahlplakate.

Mitgliederzahlen der Unionsparteien

Das zugrunde liegende Zahlenmaterial ist übrigens aus dem Geschäftsbericht von 2008 (PDF). Ich habe diese Broschüre in megatrendigem Orange allerdings nicht selbst rausgesucht, sondern aus der Wikipedia übernommen, die sie dort rausgesucht haben. Es gibt zwei gesondert ausgewiesene Stadtverbände. Die habe ich eiskalt zum sie umgebenden Bundesland dazugerechnet.

Die Farbskala habe ich mit dem Colorbrewer v2 (Flash) generiert. Das Cartogram für Bundesländer wurde mit einem selbstgeschriebenen Konsolenprogramm auf Basis des GeoStat-Kerns erstellt.

Kartierung der Woche: Richters in Deutschland

Mittwoch, 9 Juni 2010 16:47 by Christoph

Der Familienname Richter belegt den 14. Platz der häufigsten Namen in Deutschland. Ich habe mich für diesen Namen entschieden, weil sich in der Visualisierung geradezu vorbildlich eine Konzentration in Sachsen ausmachen lässt. Wenn man alle Richters gleichmäßig auf Deutschland verteilen wollte, müsste man die Grenzen wie in der folgenden Grafik anpassen. Oder anders ausgedrückt: Aus den Flächen der Landkreise lassen sich unmittelbar die Anteile der Richters ablesen. Sachsen ist dementsprechend 3x so groß wie Bayern, da es dort dreimal soviele Richters gibt. Die Landkreise habe ich zusätzlich aus didaktischen Gründen eingefärbt.

Richterin Deutschland

Erstellt habe ich diese Karte mit meinem aktuellen Build 20100609 von GeoStat 2010. Wie man unschwer erkennen kann, ist der Import von Geogen-Daten nun fertiggestellt. Ich werde noch an ein paar Kleinigkeiten feilen und hoffentlich demnächst eine Beta-Version veröffentlichen.