Vorsicht vor dem Foto

Freitag, 7. November 2014 05:11 von Christoph

Eine Anekdote aus dem Land der Freien und der Heimat der Tapferen muss ich unbedingt niederschreiben. Also nicht ganz exakt aus dem Land, sondern aus dem Flughafen. Aber das ist noch Hoheitsgebiet. Die Einreise kostete mich gerade mal zwei Stunden, ich hatte die ESTA-Einreisegenehmigung bereits besorgt, frage mich allerdings immer noch (1) wie man die $14 "Bearbeitungsgebühr" per Internet an die Homeland Security bezahlt wenn man keine Kreditkarte hat und (2) ob Amerikaner ähnliches Eintrittsgeld für Europa bezahlen müssen.

Naja, egal. Es geht um die Abreise. Die Erfahrungen der Amerikaner mit Flugzeugen sind ja nicht die allerbesten und die Medien tragen ihren bescheidenen Teil dazu bei, dass das auch tief im kollektiven Gedächtnis verankert bleibt. Da ich keinen Bart trage und meine Hautfarbe sehr europäisch ist, kam ich problemlos durch die TSA-Kontrollen. Überraschenderweise hatte ich an keiner meiner Hände (deren Fingerabrücke mir bei der Einreise abgenommen wurden und die nun immernoch in den Staaten liegen, danke CDU!) Spuren von Sprengstoff. Der Maine-Lobster, von dem ich mich die Tage zuvor wie mit einem Grundnahrungsmittel ernährt habe, war also sauber.

Nach der Kontrolle noch schnell ein Foto von dem Durchlass machen und dafür das Nexus-7 Tablet raus. Auf einmal steht ein großer Afroamerikaner in zivil neben mir und schreit: Tie Ess Äii, TIE ESS ÄII. Und noch einmal TIE ESS ÄII. Oh Gott! Was war los? Ein muslimischer Terrorist? Nein, ich war das. Ich habe ein Foto gemacht. Ich sehe meine gemütliche Heimreise schon davonwehen und mich mit einem Bombenkontrollstab im Po bei einem schönen Brett Wasser in einem kubanischen Verhörzimmer hängen. Die TSA kommt auch prompt. What's going on? This guy is taking photos!1!! What? Why are you taking photos? I just wanna show this at home. Here look at this. Is it forbidden to take photos?

No.

Mit zittrigem Zeigefinger deutet der patriotische Farbige weiter auf mein Tablet, als wäre es das Zeichen Satans höchstpersönlich oder eine Heavy-Metal-CD. There! He took photos! Sir, it's not forbidden to take photos in general. Only details of our equipment are forbidden. Puh. Welch Freiheit! Die TSA zieht sich zurück. Der Einheimische neben mir nun etwas erleichtert: But watch what you are taking photos of! - Sure Sir. Und in Gedanken: Hope this photo will not explode when i'm right above the Bundestag.

Kartierung der Woche: Arbeitslosenzahlen 06/2010

Mittwoch, 7. Juli 2010 13:49 von Christoph

Diese Woche gibts wieder ein Cartogram mit Landkreisen: die aktuellen Arbeitslosenzahlen von der Federal Employment Agency (hach das klingt so modern, so international). Zur Diskussion des Inhalts fällt mir jetzt nicht allzuviel ein. Ideal wäre natürlich ein Punkt - rein geometrisch ein Objekt mit Null-Ausdehnung. Das hieße Vollbeschäftigung. Dem ist leider nicht so, also hier die transformierte Karte.

Cartogram Arbeitslose Juni 2010

Auffällig ist, dass alle Großstädte Hotspots sind. Das ist logisch, weil hier die meisten Menschen leben. Also auch die Vielzahl der Arbeitslosen. Das führt zu einem enormen Berlin-Ausschlag im Osten. Im Westen beult sich das Ruhrgebiet ziemlich stark aus. Ähnlich wie in Sachsen gibt es hier aber kein offensichtliches Zentrum, sondern die gesamte Region ist mit durchgehend hohen Zahlen gekennzeichnet.

Bei der ganzen Kartogrammerei ist mir übrigens aufgefallen, dass diese Art der Darstellung eigentlich ein didaktisch sinnvoller Ersatz zu den bekannten Tortendiagrammen ist. Dort sieht man die Statistik in der Größe der Tortenstücke. Mit der Farbe des Tortenstückes kann man in der Legende herausfinden, um welchen Eintrag es sich konkret handelt. Das ist beim Cartogram nicht notwendig. Da die Transformation topologietreu ist (also Schlüsselmerkmale nicht unkenntlich macht), kann der Leser mit geeignetem Vorwissen (!) die Statistik direkt ablesen, ohne eine Legende bemühen zu müssen. Mithin dürfte die Darstellung von 400 Werten in einem Tortendiagram ziemlich unübersichtlich sein.

Kartierung der Woche: Mitglieder der Linken

Donnerstag, 24. Juni 2010 05:39 von Christoph

Letzte Woche wurde es politisch. Das werde ich heute nochmal fortsetzen. Da ich Gegenüberstellungen mag, diesmal mit dem Gegensatz der Unionsparteien. Doch was ist eigentlich der Gegenpart zur CDU/CSU? Die SPD fällt einem zuerst ein. Bei genauerem Hinsehen, finden sich allerdings fast nur Gemeinsamkeiten. Richtig gegensätzliche Positionen sind kaum auszumachen. Hmm. Dann muss eben eine Abspaltung der SPD herhalten: die Linken.

Damit fix zum Cartogram: Hier sieht man schön die Gegensätze in der Verteilung. Die CDU wurde ja übermäßig stark durch die weiter westlich gelegenen Bundesländer repräsentiert. Bei den Linken ist es nun fast genau andersrum. Obwohl kein Bundesland so stark geschrumpft (id est unterrepräsentiert) ist wie bei der CDU. Die Partei ist aber auch noch vergleichsweise jung - und so auch ihre Hochburgen.

Mitglieder-Cartogram der Linken

Dass Bayern gerademal halb so groß ist wie Berlin, ist allerdings 'ne Ansage!

Kartierung der Woche: Mitglieder der Unionsparteien

Mittwoch, 16. Juni 2010 13:49 von Christoph

Die heutige Kartierung ist schwarz-weiß. Nicht etwa, weil mir die Farbe ausgegangen ist, sondern weil es dabei um die Mitgliederzahlen einer Partei geht. Genau genommen um zwei Parteien: die CDU/ CSU. Und deren bevorzugte Darstellung ist nunmal schwarz. (Jaja, seit einigen Jahren wird auch ein herzlich warmes, modernes Wohlfühlorange benutzt. Ein Hoch auf die Imageberater!) Aber die Farbe der Union ist und bleibt trotz aller Spins schwarz - das meine ich jetzt wirklich nicht doppeldeutig sondern rein physikalisch vom Farbspektrum.

Spektrum. Das bringt mich auch gleich zur kurzen Diskussion der Grafik. Die westlichen Bundesländer sind deutlich überrepräsentiert. Im Vergleich dazu sind die ostdeutschen Länder stark geschrumpft. Die Mitgliederzahlen sind hier vergleichsweise gering. Das ist insofern überraschend, als dass die Wiedereinigung bereits 20 Jahre her ist, das Ungleichgewicht in der Parteienmitgliedschaft aber immernoch gravierend ist. Offenbar braucht eine Partei mehr als 20 Jahre, um die Menschen überall gleichermaßen zu erreichen. Wobei die kostenpflichtige Mitgliedschaft eine höhere Motivation darstellt als blosse Stimmabgabe bei einer Wahl. Echte Überzeugung breitet sich offenbar langsamer aus, als Wahlplakate.

Mitgliederzahlen der Unionsparteien

Das zugrunde liegende Zahlenmaterial ist übrigens aus dem Geschäftsbericht von 2008 (PDF). Ich habe diese Broschüre in megatrendigem Orange allerdings nicht selbst rausgesucht, sondern aus der Wikipedia übernommen, die sie dort rausgesucht haben. Es gibt zwei gesondert ausgewiesene Stadtverbände. Die habe ich eiskalt zum sie umgebenden Bundesland dazugerechnet.

Die Farbskala habe ich mit dem Colorbrewer v2 (Flash) generiert. Das Cartogram für Bundesländer wurde mit einem selbstgeschriebenen Konsolenprogramm auf Basis des GeoStat-Kerns erstellt.